Verfasser: Ralf Hartmann - Mittwoch, 11.03.2009
Doch der automobile Wohlgeruch ist weder objektiv noch konstant. Er hängt vom kulturellen Hintergrund der Autofahrer und vom Zeitgeist ab. In Asien
beispielsweise mögen es viele Kunden, wenn es im Auto leicht nach Räucherstäbchen riecht, in arabischen Ländern ist die Duftnote Sandelholz beliebt. Deutsche
Autofahrer fanden bis in die 70er Jahre:
Ein neues Auto muss auch neu riechen. Erst mit dem aufkommenden Umweltbewusstsein wurde es verdächtig, wenn es
im Innenraum nach Kunststoff roch. Heute will der deutsche Autofahrer das geruchlose Fahrzeug. Welche Vorlieben der Kunde auch hat – die Chemie zwischen Fahrer
und Fahrzeug muss einfach stimmen. Deshalb beschäftigt jeder Autokonzern ein Team von „Schnüfflern“, das den Geruch nicht dem Zufall überlässt. Bei VW und Audi
arbeiten
die Geruchsdesigner vor allem im Labor. Schon in der Entwicklungs- und Konstruktionsphase eines Modells nehmen sie Geruchsproben der einzelnen
Werkstoffe. Von jedem Stoff im Innenraum, vom Schaltknüppel bis zur Sonnenblende, kommen ein paar Schnipsel in Einmachgläser. Die werden dann auf verschiedene
Temperaturen erhitzt. Anschließend müssen die Proben von mehreren Testern freigegeben werden. Stoffe mit störendem Geruch haben keine Chance, in ein VW-Modell
eingebaut zu werden. Auch beim fertigen Fahrzeug gibt es Geruchs-Stichproben:
Tester setzen sich kurz in den Innenraum und achten auf olfaktorische
Eindrücke.
Bei Citroën gehen die Entwickler noch einen Schritt weiter. Sie haben beispielsweise im C4 und C4 Picasso serienmäßig einen Parfümspender ins
Lüftungssystem integriert. Er lässt sich fein dosieren, kann aber auch ganz abgestellt werden. Der Kunde wählt eine Kartusche mit seinem Lieblingsduft –
Jasmin, Mimosa, Ambre Santal oder doch Vanille? So wird der Duft zum wichtigen Puzzleteil im Image des „sinnlichen Franzosen“. Auch Peugeot und Fiat haben für
viele Baureihen Duftspender im Angebot. Für das europäische Mazda-Team hingegen muss die Innenluft im Fahrzeug vor allem eines sein: rein. Auf dem Pariser
Autosalon 2008 stellte Mazda die Kleinwagen-Studie „Kiyora“ vor. Statt den Innenraum zu parfümieren, wird die Außenluft mit einem Aktivkohlefilter gereinigt –
wie bei einer normalen Klimaanlage, nur viel konsequenter. Das Fahrzeug wird zur Wellness-Oase, die den Fahrer vor der schädlichen Straßenluft abschottet.
Dazu passt auch das Filtersystem, mit dem der Kiyora Regenwasser in Trinkwasser umwandeln kann. Der Name wird hier zum Programm. Denn im Japanischen steht
„Kiyora“ für Begriffe wie „Reinheit“ und „Sauberkeit“.